Junge oder Mädchen

Geschlecht vom Baby ab wann? Was Gesetz und Ultraschall sagen

Das Gesetz erlaubt die Mitteilung erst nach der 12. Woche, Labore rechnen mit 14+0. Im Ultraschall wird es ab etwa der 13. Woche sicherer. Alle Wege im Überblick.

Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und keine medizinische Beratung. Frag deine Hebamme oder Frauenärztin zu deiner Schwangerschaft und deinen Untersuchungen.

In Deutschland darf dir das Geschlecht deines Babys erst nach Ablauf der zwölften Schwangerschaftswoche mitgeteilt werden, und nur, wenn du es wissen willst. So steht es in § 15 des Gendiagnostikgesetzes, und die Regel gilt für jede vorgeburtliche Untersuchung, auch für den Ultraschall. Genetiklabore setzen die Grenze bei 14+0 nach der letzten Periode an. Im Ultraschall wird das Geschlecht ab etwa der 13. Woche einigermaßen sicher erkennbar, zuverlässig meist beim zweiten Basis-Ultraschall in der 19. bis 22. Woche.

Hier liest du, was das Gesetz genau sagt, wie die Wochen gezählt werden und welcher Weg wann Klarheit bringt.

Was § 15 GenDG zum Geschlecht sagt

Die Regel steht in einem einzigen Satz. § 15 Absatz 1 Gendiagnostikgesetz lautet:

„Wird anlässlich einer Untersuchung nach Satz 1 oder einer sonstigen vorgeburtlichen Untersuchung das Geschlecht eines Embryos oder Fötus festgestellt, kann dies der Schwangeren mit ihrer Einwilligung nach Ablauf der zwölften Schwangerschaftswoche mitgeteilt werden.”

Drei Dinge stecken darin:

  1. „sonstige vorgeburtliche Untersuchung” heißt: Die Regel gilt nicht nur für genetische Bluttests, sondern auch für den Ultraschall in der Frauenarztpraxis.
  2. „mit ihrer Einwilligung” heißt: Niemand darf es dir ungefragt sagen. Du entscheidest, ob du es wissen willst.
  3. „nach Ablauf der zwölften Schwangerschaftswoche” ist die Frist. Vorher darf die Praxis es dir nicht mitteilen, selbst wenn sie es sieht.

12. Woche, 12+0 oder 14+0? Die Zählweise

Der Gesetzestext legt nicht fest, ob ab der letzten Periode oder ab der Empfängnis gezählt wird. Genau daher kommen die unterschiedlichen Zahlen in Foren.

In der Vorsorge zählt man ab dem ersten Tag der letzten Periode (abgekürzt p.m.). Die Empfängnis liegt rechnerisch etwa zwei Wochen später (p.c., nach der Konzeption). Das Medizinisch Genetische Zentrum München schreibt in seiner Patienteninformation zum Bluttest: Das Geschlecht darf laut GenDG erst ab 12+0 p.c. beziehungsweise 14+0 p.m. mitgeteilt werden.

Lesart Ab wann Was das im Mutterpass heißt
Zwölf Wochen nach der Empfängnis (Laborpraxis) 12+0 p.c. ab 14+0, also ab Beginn der 15. SSW
Zwölfte SSW nach der Periode abgelaufen 12+0 p.m. ab Beginn der 13. SSW

Welche Lesart deine Praxis beim Ultraschall anwendet, ist nicht einheitlich geregelt. Frag einfach: „Ab wann dürfen Sie mir das Geschlecht sagen?” Dann weißt du, woran du bist.

Ab wann man das Geschlecht im Ultraschall sehen kann

Technisch ist das Geschlecht ab etwa der 12. Woche manchmal zu erkennen, sicher wird es erst später. Im späten ersten und frühen zweiten Trimester beurteilt man laut Fachliteratur vor allem die Richtung des Genitalhöckers, nicht die fertigen äußeren Genitalien. Darauf beruht die sogenannte Nub-Theorie.

Was Studien dazu gefunden haben:

Woche Treffsicherheit, wenn eine Zuordnung möglich war Studie
11. Woche 71,9 % (bei 40,6 % war keine Zuordnung möglich) Hsiao et al. 2008, 496 Schwangerschaften
12. Woche 92 % Hsiao et al. 2008
13. Woche 98,3 % Hsiao et al. 2008
12+0 bis 12+3 Mädchen 91,5 %, Jungen 99 bis 100 % Efrat et al. 2006, 656 Schwangerschaften
13+0 bis 13+6 Mädchen 100 %, Jungen 99 bis 100 % Efrat et al. 2006

Eine Übersichtsarbeit von Odeh und Kollegen (2009) rät, es vor der 12. Woche gar nicht erst zu versuchen. Nach der 13. Woche sei die Bestimmung bei unauffälligen äußeren Genitalien in 99 bis 100 Prozent der Fälle richtig. Wie genau das in der Praxis klappt, hängt von Lage, Gerät und Erfahrung ab. Mehr dazu in Geschlecht erkennen im Ultraschall und in Nub-Theorie.

Der zweite Basis-Ultraschall: 19. bis 22. Woche

Der Termin, an dem die meisten Eltern das Geschlecht erfahren, ist der zweite Basis-Ultraschall. Die Mutterschafts-Richtlinie sieht ihn zwischen 18+0 und 21+6 vor. Dann sind die äußeren Genitalien direkt zu sehen, wenn das Baby nicht gerade die Beine übereinanderschlägt.

Ein wichtiger Satz aus dem Merkblatt zum Basis-Ultraschall: Wenn du das Geschlecht nicht erfahren möchtest, sprich das vor der Untersuchung an. Für eine Gender Reveal Party kannst du die Praxis bitten, das Ergebnis auf einen Zettel zu schreiben und in einen Umschlag zu stecken.

Der Bluttest (NIPT): früh gemacht, spät erfahren

Ein nicht-invasiver Pränataltest aus dem Blut der Mutter kann das Geschlecht früh bestimmen, das Ergebnis dazu bekommst du trotzdem erst nach der gesetzlichen Frist. Laut der Patienteninformation des MGZ München kann der Test auf Trisomien ab der 10. Woche (9+0 p.m.) gemacht werden. Vor 14+0 p.m. erfährst du aber nur das medizinische Ergebnis.

Wie zuverlässig das ist, zeigt eine Meta-Analyse im JAMA von Devaney und Kollegen (2011) über 57 Studien: Ab der 7. Woche erkannte der Test ein männliches Y-Chromosom mit einer Sensitivität von rund 95 Prozent, vor der 7. Woche nur mit 74,5 Prozent.

Zu den Kosten: Die gesetzliche Kasse übernimmt den Test auf die Trisomien 13, 18 und 21 im Einzelfall. Die Bestimmung des Geschlechts gehört laut MGZ zu den ergänzenden Optionen, und diese sind eine individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), die du selbst zahlst.

Alle Wege auf einen Blick

Weg Ab wann technisch möglich Ab wann du es erfahren darfst Wie sicher
Ultraschall um die 12. bis 14. Woche ab etwa 12 Wochen, besser ab 13 nach Ablauf der 12. SSW, je nach Lesart ab 12+0 oder 14+0 in Studien 92 bis 100 %, je nach Woche
2. Basis-Ultraschall 19. bis 22. Woche sofort, wenn du willst hoch, wenn das Baby gut liegt
Bluttest (NIPT) Blutentnahme ab 9+0 ab 14+0 laut Labor Sensitivität um 95 % ab der 7. Woche (Meta-Analyse)
Ammenmärchen, Kalender, Herzschlag jederzeit jederzeit nicht besser als Raten

Zu den Hausmitteln und Mythen findest du alles in Junge oder Mädchen? 15 Ammenmärchen.

Wenn ihr es noch nicht wisst

Zwischen dem Wunsch, es zu wissen, und dem Termin, an dem ihr es erfahrt, liegen oft Wochen. Wenn ihr diese Zeit spielerisch überbrücken wollt oder das Ergebnis bewusst offenlasst, gibt es in SeeMyBaby die Gender-Reveal-Party: Ihr zieht an der Schleife einer Box, nach einem Trommelwirbel steigen rosa oder blaue Ballons auf. Das Ergebnis ist eine spielerische KI-Vermutung, nur zum Spaß, kein medizinisches Ergebnis. Wer das Geschlecht schon kennt, gibt es in der App an, dann wird nicht geraten.

Für die echte Enthüllung mit Familie und Freunden findest du Ideen in Gender Reveal Party. Alle Artikel stehen im SeeMyBaby-Blog.

Quellen

Was Eltern oft fragen

Ab wann darf der Arzt das Geschlecht sagen?

Nach § 15 GenDG nach Ablauf der zwölften Schwangerschaftswoche und nur mit deiner Einwilligung. Genetiklabore rechnen das als 14+0 nach der letzten Periode, beim Ultraschall handhaben Praxen das nicht einheitlich.

Kann man das Geschlecht in der 12. SSW sehen?

Manchmal. In Studien lag die Treffsicherheit in der 12. Woche bei rund 92 Prozent, sofern eine Zuordnung überhaupt möglich war. Ab der 13. Woche wird es deutlich sicherer.

Warum darf das Geschlecht nicht früher gesagt werden?

Der Gesetzestext nennt nur die Frist, nicht den Grund. Die Regel steht in dem Paragrafen, der vorgeburtliche genetische Untersuchungen auf medizinische Zwecke beschränkt.

Zahlt die Krankenkasse einen Bluttest für das Geschlecht?

Nein. Die Kasse übernimmt den Bluttest auf bestimmte Trisomien im Einzelfall. Die Geschlechtsbestimmung ist eine Zusatzoption, die du selbst zahlst.

Sarina GomezRedakteurin, SeeMyBaby

Sarina Gomez ist das Pseudonym der SeeMyBaby-Redaktion.

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